Niederalben 
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Erlebe die Pfalz

 

Geschichte

Auch Niederalben hat eine lange Geschichte. Der Text unten wurde der Webseite regionalgeschichte.net entnommen und wurde von der ehemaligen Lehrerin Inge Schworm verfasst mit Beiträgen von anderen Laienhistorikern des Ortes. Ein grosser Dank gebührt Frau Schworm all dieses zusammengetragen zu haben.



Allgemeine Angaben

Lage an der Steinalb unter dem Mittagsfels

Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenglan

Einwohner (1996): 432

206 männlich und 226 weiblich  

evangelisch: 75 %, röm.-kath. 8 %, ohne Konf. 9 %, ohne Ang. 3 %, Sonst. 4 %

Einwohner (2006): 352 und 17 mit Nebenwohnungen 

ev 74 %, röm. kath. 9 %, ohne Konf. 9 %, ohne Angabe 5 %,  sonstige 2 %

Immigranten 2 %

Einwohner (2007): 343

Einwohner (2010): 310

Wohnplätze: Niederalben und Neuwirtshaus

Gemarkung: 324 ha, davon 13 ha Wald und ca. 10 ha Siedlungsfläche.

Naturdenkmäler: Naturschutzgebiete Mittagsfels und Steinalbmündung

 

Lage

Der Ort liegt in einer Höhe zwischen 180 und 250 Metern über NN auf dem linken Ufer der Steinalb, die nur wenige hundert Meter unterhalb der Siedlung in den Glan mündet. Entlang des Baches führt eine Umgehungsstraße, die Straßen innerhalb des Ortes verlaufen zweigen von der ursprünglichen Durchgangsstraße ab in die kleinen Seitentäler. Erhöhungen außerhalb der Ortslage steigen auf mehr als 400 Meter Höhe an. Dabei stellt der „Mittagsfels“ mit seinen felsigen Steilhängen hinter der besiedelten Fläche einen besonderen Blickfang dar. Die Täler von Glan und Steinalb sind verhältnismäßig eng. Im übrigen dehnt sich seitlich der Tallagen eine weite Hochfläche aus. Zwei Drittel der früheren Gemarkung (vor 1938) liegen heute innerhalb des Truppenübungsplatzes Baumholder.


Siedlung 

Das Ortsbild ist durch die topographische Lage geprägt. Die Straße mit den neueren Häusern läuft parallel zur Steinalb, deren direkte Nähe wegen Hochwassergefahr für die Besiedlung früher gemieden wurde. In den engen Seitentälern bilden sich hauptsächlich zwei Siedlungen, Oberdorf und Unterdorf. Wo sich die zwei Seitentäler treffen, liegt die alte Dorfkirche. In der Nähe steht das Evangelische Gemeindehaus, das für längere Zeit als Ersatzkirche diente. Inzwischen wurde die alte Kirche sachgemäß renoviert und dient wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung.  Dem Hang zur „Modernität“ in den frühen 70er Jahren fielen auch viele Bauernhäuser zum Opfer, die oft radikal zu modernen Wohnungen umgebaut wurden. Heute wird die Erhaltung alter bäuerlicher Bauformen wieder angestrebt. Die Gemeinde ist fast eine reine Wohngemeinde geworden, denn früher handelte es sich bei ihr um ein reines Bauerndorf. 1994 wurde die phänologische Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes Offenbach geschlossen, die seit Kriegsende hier bestanden hatte.



Gemarkung

Im 19. Jahrhundert und am Anfang des 20. Jahrhundert besaß die Gemeinde im Steinalbgebiet ein weit ausgedehntes Waldgelände, das von einem eigenen Revierförster bewirtschaftet wurde. Dieser Wald wie auch ein Großteil der alten Gemarkung gehören heute zum Truppenübungsplatz, der ein großes Sperrgebiet darstellt und durch die staatliche Forstverwaltung in Baumholder bewirtschaftet wird. Für das Revier Steinalb bestand für lange Zeit  in Niederalben ein eigenes Forsthaus, das inzwischen verkauft wurde. Hauptanbauflächen für die landwirtschaftlichen Betriebe stellt die Hochfläche seitlich des Tales dar. Der größte Teil des heutigen Gemeindewaldes in der Restgemarkung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg angepflanzt. Innerhalb der Gemarkung liegen die Naturschutzgebiete „Mittagsfels“ mit Trockenrasenflächen und seltener Flora, sowie „Steinalbmündung“ als Vogelschutzgebiet.


Wüstungen

Die Orte Ohlscheid und Hunhausen werden seit dem Ende des 16. Jahrhunderts nicht mehr erwähnt, und ihre Gemarkungen wurden mit der Gemarkung von Niederalben vereinigt. Viele Flurnamen erinnern noch an die beiden Dörfer, die einst wie Niederalben zu dem Vierherrengericht von Sankt Julian gehörten und auch zu dem alten Hochgericht auf der Heide. Ohlscheid lag auf dem Höhenrücken zwischen Niederalben und Sankt Julian. Hunhausen, auch Hanhausen genannt, dürfte der Sitz eines „Hun“ oder „Hund“ gewesen sein. Der Begriff umschreibt die frühere Funktion eines Beamten auf der unteren Verwaltungsebene. Dieser Ort lag wahrscheinlich auf dem nicht sehr steil abfallenden linken Glanufer zwischen Niederalben und Eschenau.


Name

Der Ortsname ist durch die Lage am Bach bedingt. Nach mancher Auffassung handelt es sich bei dem Namen Alb um den vorgermanischen Gewässernamen „Alba“. Nach einer anderen Theorie geht er auf den im allemannischen Sprachgebrauch üblichen Namen Alb für Bäche zurück. Im Gegensatz zu Niederalben liegt Oberalben im Quellbereich einer Alb, speziell der Kuralb. Da der Name „Alben“ als Ortsname auch in der weiteren Umgebung häufig anzutreffen ist, fällt es gelegentlich schwer, das Vorkommen in den Urkunden richtig zuzuordnen. Nach Dolch und Greule wird Niederalben erstmalig in einer Originalurkunde aus dem Jahr 1290 erwähnt. (Dolch/Greule 1991 S. 336)    


Wappen

Es zeigt im goldblau schräg geteilten Feld links oben einen roten Löwen, unten rechts auf einem goldenen Dreiberg eine silberne Blume. Der Löwe ist das Wappentier der früheren wildgräflichen Ortsherren. Die silberne Blume ist die Kuhschelle aus dem Naturschutzgebiet Mittagsfels. Der goldene Dreiberg gilt als Symbol für das umliegende Hügelland. Genehmigt wurde das Wappen 1964 durch die Bezirksregierung Koblenz.

 


Abriss der Ortsgeschichte

Frühgeschichte

Funde aus der Urgeschichte sind für Niederalben in der heutigen Gemarkung nicht direkt belegt. Dicht an der Gemarkungsgrenze wurden jedoch in der Flur Schwarzland des Truppenübungsplatzes 1938 zwei Urnengräber aus der La Tène-Periode (ca. 500 v. Chr.) freigelegt. Die Urnen mit Beigaben wurden nach der Ausgrabung dem damals zuständigen Denkmalamt in Trier übergeben. Vorgeschichtliche „Klopfsteine“ sind in der Gemarkung von Niederalben direkt nachzuweisen. (Vgl. Molter 1990) Auch die weitere Umgebung des Ortes ist verhältnismäßig reich an vorgeschichtlichen Funden aus der mittleren und jüngeren Steinzeit. Es bestanden schon in vorgeschichtlicher Zeit über die Höhe Verbindungswege in Richtung Trier, und später führte eine Römerstraße durch die heutige Gemarkung. Funde aus der Römerzeit sind für Niederalben nicht nachzuweisen. Wahrscheinlich lag das Gebiet ursprünglich im Königsforst Lautern, gehörte aber nicht zu den Ländereien, die durch fränkische Könige an geistliche Herrschaften (Verdun, Reims) verschenkt wurden.


Mittelalter

Erster urkundlicher Nachweis von Hunhausen liegt aus dem Jahr 1287 vor. Um 1290 wird in einer Urkunde ein Wilmar Vilemann von Alben erwähnt, der wohl der erste in der Reihe der Edelknechte derer von Alben ist, die im Spätmittelalter unter Kaiser Sigismund bedeutende Ämter in Wien und in Ungarn bekleideten. Johann von Agram aus der deutschen adeligen Familie von Alben wurde Kanzler, und dessen Bruder Bischof von Fünfkirchen. Einer der ersten schriftlichen Berichte über das Gebiet ist das Weistum des Hochgerichts auf der Heide, auf das schon 1351 in einem Lehensbrief Bezug genommen wurde. Das Hochgericht auf der Heide war das Land zwischen Steinalb, Glan und Nahe, das im ausgehenden 10. Jahrhundert stärker besiedelt wurde, wie es in Urkunden Kaiser Ottos III. und der Erzbischofs Williges von Mainz bestätigt ist. Wahrscheinlich kam das Gebiet später als Reichspfandschaft an die Kurpfalz und wurde von dieser den Wild- und Rheingrafen von Steinkallenfels und Grumbach mit der Hochgerichtsbarkeit übergeben. Jedenfalls war es unter den Ottonen schon nicht mehr ganz in Händen des königlichen Fiskus. In einem Lehensverzeichnis aus der Zeit um 1200 für den Rheingrafen Wolfram heißt es: „Item de Abbate de Sancto Albano habet Ringravius in feodo Helbach und Wiselbach apud Winterhuche, duas villas cum omni iure.“ (zit. nach Fabricius) Die Hochgerichtsbarkeit im Bezirk des Heidegerichtes wurde niemals angefochten. Von den Wild- und Rheingrafen wurde 1429 ein Johann von Hagen mit den Dörfern und Gerichten Alben, Nyderalben und Hunehausen belehnt. Das Wort Alben bezieht sich in diesem Fall auf den Ortsteil mit der heute noch üblichen Bezeichnung Oberdorf. Im 16. Jahrhundert ging Niederalben, gemeint ist nur das Unterdorf von Alben, an die Herren von Groroth über. Die Herren von Hagen besaßen 18 Hausgesessene und die Herren von Groroth acht bis neun Hausgesessene in den damaligen beiden Dörfern.


Neuzeit

1650 wurden die Anteile der Herren von Groroth für das Amt Grumbach der Wild-und Rheingrafen erworben, während die bestehenden Rechte der Herren von Hagen von diesen nicht freigegeben wurden. Die offizielle Übergabe konnte erst geschehen, nachdem am 2. Dezember 1791 der letzte Herr von Hagen, der unverheiratete k. u. k. wirkliche Geheime Rat und Hofgerichtsrat, Präsident und Konferenzminister, Ritter des Goldenen Flieses, Herr Hugo von Hagen in Wien gestorben war. Die Niederalbener hatten mit ihm ihren Herrn verloren, den sie wahrscheinlich nie gesehen hatten. Nun fiel das Lehen an das Haus Grumbach zurück. Die Leute von Niederalben schworen den Grumbachern erst die Treue, nachdem sie sich durch eine Abordnung nach Wien von dem Ableben des ursprünglichen Herrn persönlich überzeugt hatten.


Die Jahre unter den neuen Herren sollten aber nicht lange dauern. Seit 1798 war das Land französisch. Niederalben gehörte zur Mairie Offenbach im Canton Grumbach, und zum Arrondissement Birkenfeld im Département De La Sarre. Nach der Restauration wurde der ehemalige Besitz der Wild- und Rheingrafen durch den Wiener Kongress zunächst dem Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld zugeteilt. Für eine jährliche Jahresrente von 80.000 Talern traten die Coburger 1834 alle ihre Rechte an Preußen ab. Niederalben lag jetzt im preußischen Kreis St. Wendel. So wie der Ort während des Mittelalters dicht an der Grenze des pfalz-zweibrückischen Remigiuslandes gelegen hatte, so grenzte er nun an Bayern. 1919 wurde der Kreis St. Wendel im Zuge der Saargrenzregulierung aufgeteilt. Niederalben lag im so genannten Restkreis St. Wendel mit Sitz in Baumholder, der 1937 dem Kreis Birkenfeld in der preußischen Rheinprovinz eingegliedert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Ort im neu gebildeten Land Rheinland Pfalz, zunächst ebenfalls im Kreis Birkenfeld des Regierungsbezirks Koblenz und im Amt Grumbach. Durch die Gebiets- und Verwaltungsreform von 1968 wurde das ganze ehemalige Amt Grumbach vom Regierungsbezirk Koblenz losgelöst und dem neuen Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz zugeschlagen. Niederalben kam so im Jahr 1972 in den Landkreis Kusel und zur Verbandsgemeinde Altenglan, während alle anderen Orte des ehemaligen Amtes Grumbach zur Verbandsgemeinde Lauterecken kamen.

 

 

Wahlergebnisse, Bundestag Zweitstimmen

 

SPD

CDU

FDP

Grüne

Linke

Sonstige

Landtag 2001

55,8

23,8

6,1

2,2

---

12,2

Landtag 2006

55,1

14,6

7,9

0,6

11,2*

10,8

Landtag 2011

47,0

22,0

4,2

12,5

4,2

10,1

Bundestag 2002

55,2

26,3

2,6

6,7

---

9,3

Bundestag 2005

48,2

13,1

9,0

1,5

15,1

13,0

Bundestag 2009

31,0

28,5

5,7

4,4

21,5

8,9

Bundestag 2013

34,0

28,0

6,7

4,0

6,7

20,6

*WASG

 

 

 

 

 

 

Zeittafel

ca. 500 v.Chr.

Keltische Grabfunde

vor 500 nach Chr.

Ortsgründung möglicherweise durch Alemannen

1287

Ersterwähnung der Wüstung Hunhausen (Huhnhusen)

1290

Ersterwähnung von Niederalben ("Wilmar Vilemann von Alben" )

1345

Ersterwähnung von Olscheidt ("Olschit")

1351

Weistum des Hochgerichts auf der Heide

1429

Johann von Hagen wird durch die Wild- und Rheingrafen mit Niederalben belehnt

1441

Die "armen Leute" von Niederalben werden den Grafen von Veldenz übergeben.

16. Jhd.

Teile des Ortes gehen an die Herren von Groroth

1650

Rechte der Herren von Groroth fallen an die Rheingrafen zurück

1791

Der letzte Herr von Hagen stirbt. Niederalben wieder direkter Besitz der Rheingrafen

1801

Eingliederung an Frankreich im Kanton Grumbach, Arrondissement Birkenfeld, Département de la Sarre

1816

Zuteilung an Sachsen-Coburg-Saalfeld im Fürstentum Lichtenberg

1834

Sachsen Coburg verkauft das Fürstentum Lichtenberg an Preußen

1919

Aufteilung des preußischen Kreises Sankt Wendel nach Festlegung der Grenze des Saargebietes. Niederalben liegt im Restkreis Sankt Wendel mit der provisorischen Kreisstadt Baumholder

1937

Der Restkreis Baumholder wird in den bisher oldenburgischen Kreis Birkenfeld eingegliedert

1946

Gründung des Landes Rheinland-Pfalz. Niederalben liegt im Kreis Birkenfeld des Regierungsbezirks Koblenz

1968

Gebiets- und Verwaltungsreform in Rheinland-Pfalz. Niederalben kommt zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz

1972

Niederalben Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenglan

1974

Bau der Umgehungsstraße

1979

Gründung des Naturschutzgebietes "Mittagsfels"

1988

Gründung des Naturschutzgebietes "Steinalbmündung"

1997

Wiederinbetriebnahme der völlig renovierten Wulfila-Kirche

2000 - 

Für neuere Einträge sehen Sie bitte in der Chronik nach unter Gemeinde.


Religiöse Verhältnisse

 

Die alte Dorfkirche stammt aus dem 14. Jahrhundert und soll nach mancherlei Angaben eine „Ulfilaskapelle“ gewesen sein. 1588 wurde jedoch durch Johannes Hofmann eine Kapelle „Sankt Wolfgang“ erwähnt, zu der „große Wallfahrt aus fernen fremden Ländern geschehen sei.“ Diese Kirche kann mit der Dorfkirche nicht identisch gewesen sein, und das Patrozinium des Heiligen Wolfgang wird sich deshalb auf jene untergegangene Wallfahrtskirche beziehen, die auf einer Anhöhe am südlichen Ortsende stand und möglicherweise im Zusammenhang mit einem Erdrutsch zerstört wurde. Nach der Beschreibung Hofmanns stand sie „vorn an der Steinalb, hart am Wege, welcher von Ulmet gen Meisenheim geht.“ Gemeint ist damit die uralte Straßenverbindung, die von Rathsweiler aus am früheren Bundesforstamtes vorbei nach Eschenau führte.

Bei der Renovierung der erhalten gebliebenen Dorfkirche wurde ein dentrologisches Gutachten erstellt, nach dem die Fällung der Dachbalken 1347 (plus/minus 8 Jahre) erfolgt sein muss. Es ist anzunehmen, dass Niederalben von Anfang an eine Filiale im Kirchspiel Sankt Julian war. 1556 führten die Grafen von Grumbach den reformierten Glauben nach der Lehre Luthers ein. Das Kirchenschiff wurde während des Dreißigjährigen Krieges zerstört. Über lange Zeit fand in der Kirche kein Gottesdienst mehr statt, und die Protestanten mussten den Gottesdienst im benachbarten St. Julian besuchen. 1772 wurde das Kirchenschiff im spätbarocken Stil erneuert, und der Gottesdienst vor Ort konnte wieder aufgenommen werden. 1816 kam es zu einer Neuorientierung, da St. Julian nun bayerisch geworden war. Die Bewohner evangelischer Konfession kamen zunächst zur Kirche von Offenbach am Glan. 1839 wurde eine eigene Pfarrei Niederalben-Erzweiler gegründet, die de jure heute noch besteht. Der zweite zur Pfarrei gehörende Ort Erzweiler, der innerhalb des Truppenübungsplatzes lag, wurde um 1970 endgültig aufgelöst. Vorübergehend erfolgten seit 1970 Mitführungen durch die Pfarrer von Offenbach, Herren-Sulzbach und Medard. Seit 1991 werden die 15 Kilometer weit voneinander entfernt gelegenen Kirchengemeinden Medard und Niederalben gemeinsam durch den Pfarrer von Medard betreut. Die wenigen katholischen Gemeindeglieder gehören zur Kirchengemeinde von Rammelsbach und besuchen die Messe in der katholischen Kirche von Ulmet. Früher bestand in Niederalben ein Simultanrecht zur Mitbenutzung der evangelischen Kirche, das aber kaum genutzt wurde. Die katholischen Christen des Ortes beteiligen sich am evangelischen Gemeindeleben. Auf dem alten Friedhof rings um die Kirche wurden die Toten beider Konfessionen beigesetzt. In der französischen Zeit wurde dieser Friedhof säkularisiert und der Gemeinde übereignet. Ab 1835 fanden auf dem Friedhof um die Kirche keine Beerdigungen mehr statt. Das Friedhofsgelände wurde 1836 an die Kirchengemeinde zurückgegeben. Durch einen Vertrag von 1895 wurde diese Rückgabe bestätigt. Der heutige Gemeindefriedhof unter dem Mittagsfels wurde 1835 angelegt.


Bewohner

Im Jahre 1429 wurden im Ort 27 "Hausgesessene"  gezählt. Demnach hatte Niederalben damals etwa 200 Einwohner. Im Dreißigjährigen Krieg und in den Kriegen Ludwigs XIV. kam es zu großen Menschenverlusten. Dennoch hatte sich die Bevölkerung nach Zuwanderungen und starkem Bevölkerungswachstum im 18. Jahrhundert gegenüber dem 15. Jahrhundert etwa verdreifacht. Viele Einwohner wurden deshalb im 19. Jahrhundert zur Auswanderung gezwungen. 1833 lebten in Niederalben 526 Personen in 87 Familien. Unter den Erwachsenen waren 131 männlich und 161 weiblich, unter den Kindern 161 männlich und 103 weiblich. 7 Personen lebten auswärts. 449 Einwohner waren evangelisch und 70 katholisch. Es gab keine Juden und keine Mennoniten. Ende des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte sich die Einwohnerzahl bei einer Größe von 500 Einwohnern eingependelt. Zwischen 1945 und 1950 war ein auffälliger Anstieg von 520 auf 575 Einwohner zu verzeichnen, bedingt durch den Zuzug von Heimatvertriebenen aus dem Osten und durch DDR-Flüchtlinge. Zwischen 1950 und 1960 stieg die Bevölkerungszahl zunächst noch schwach an, um danach schlagartig auf ca. 500 Einwohner abzufallen. Viele der Zwangseingewiesenen wanderten in Gebiete mit besserer industrieller Struktur ab. Aber auch junge Leute hatten hier keine beruflichen Chancen. 1996 hat der Ort nur noch 400 Einwohner, von denen fast ein Viertel älter als 60 Jahre alt sind. In der Zahl sind auch Asylsuchende mit vielen Kindern enthalten. Bis 2007 fiel die Einwohnerzahl auf 343. Viele Bewohner waren im vergangenen Jahrhundert noch auf dem Truppenübungsplatz Baumholder beschäftigt. Es ist damit zu rechnen, daß der Übungsplatz nach und nach aufgelöst wird. So könnte sich die Bevölkerung weiter verringern. Junge Leute müssen sich schon seit Jahrzehnten ihren Beruf in anderen Regionen suchen.


Übersicht zur Bevölkerungsentwicklung


1815

1860

1900

1925

1958

2007

356

583

478

518

564

343


Schule und Kultur

Schule

Über 200 Jahre lang bestand die Dorfschule Niederalben. Unter der gräflichen Verwaltung wurde während des ausgehenden 18. Jahrhunderts der Lehrer für die Winterschule „gemietet“. 1780 trat ein Lehrer Simon sein Amt an. Es ist bekannt, daß der Lehrer 1816 für ein Jahresgehalt von 42 Gulden unterrichtete, was 23 Reichstalern entsprach. Ansonsten musste der Lehrer hauptsächlich von der Landwirtschaft leben. Schon vor dem Ersten Weltkrieg wurden zwei Klassen eingerichtet, die kleine Klasse für Jakob Klein und die große für Peter Beuscher. Klein war ein Botaniker und setzte sich für die Einrichtung des Naturschutzgebietes am Mittagsfels ein.

1787 wurde von 41 Gemeinsleuten für das Ober- und Unterdorf ein Gemeindehaus errichtet, in dem auch Schulkinder unterrichtet wurden. 1838 entstanden zwischen den beiden Ortsteilen nahe bei der Kirche ein größeres Schulhaus und eine Lehrerwohnung. 1963 wurde ein neues Schulhaus gebaut, und das alte Haus abgerissen. 1969 wurden die Klassen der Hauptschule, 1971 auch die Klassen der Grundschule in eine Zentralschule von Sankt Julian und Offenbach eingegliedert. Seit 1973 besuchen die Grundschüler die Grundschule Ulmet/Erdesbach und die Hauptschüler die Hauptschule, inzwischen Regionale Schule, in Altenglan. Vorübergehend stand das Schulhaus in Niederalben leer. Es wurde 1972 vom Kreis Kusel angemietet und  mit Klassen einer Schule für Lernbehinderte belegt. 1997 hat auch die Sonderschule dieses Dorfschulhaus verlassen. Es wurde inzwischen an das Christliche Jugenddorf Wolfstein vermietet, und es ist abzusehen, dass das Mietverhältnis demnächst aufgelöst wird. Dann wird das 1963 eingeweihte Schulhaus wieder leer stehen.  


Volksfeste, kulturelle Einrichtungen und Vereinswesen


Die Menschen feiern gemeinsam die „Kerwe“ am ersten Sonntag im Mai (Maikerb), zu der noch immer viele nach auswärts verzogene frühere Einwohner das Dorf wieder aufsuchen. Am Kerwesonntag stellen die Straußbuben, heute vielfach auch Straußmädchen, am Gasthaus einen Kerwestrauß auf. Der Strauß ist eine mit bunten Bändern geschmückte Fichte. Der „Straußpfarrer“ trägt die gereimte „Straußpredigt“ vor, in der Dorfereignisse glossiert werden. In den letzten Jahren ist ein gesteigertes Interesse von Stadtbewohnern an diesem ländlichen Brauchtum zu verspüren, wenn die Kerwe auch nicht mehr so wie eine „polnische oder russische Kirchweih“ gefeiert wird, wie das J. von Plänckner 1833 in seiner "Beschreibung der königlich preußischen, der königlich bayerischen, der großherzoglich oldenburgischen und der landgräflich Hessen-Homburgischen Rheinlande" ausdrückte. Obwohl Schule, Pfarramt und seit 1996 auch die Post abgezogen wurden und sich kaum Geschäfte am Ort halten konnten, haben sich die Bürger noch in Vereinen engagiert. Viele Bürger sind Mitglieder in mehreren Vereinen. Ältester Verein war der Gesangverein, der 1890 als Männergesangverein gegründet wurde. Er hat inzwischen seine aktive Tätigkeit eingestellt. Vorübergehend bestand ein Wanderverein (Pfälzerwaldverein), für den inzwischen auch kein Interesse mehr besteht. Der Sportverein hat sich mit dem Sportverein von Ulmet zusammengeschlossen. Fußballspiele fanden abwechselnd auf den Sportplätzen von Ulmet und von Niederalben statt, seit 2009 nur noch in Ulmet. Aktiv geblieben sind der Schützenverein und und ein Angelsportverein. Außerdem gibt es eine evangelische Frauenhilfe und ein Landfrauenverein.


Gesundheits- und Sozialwesen

Für die medizinische Versorgung sind die Ärzte aus den Nachbargemeinden Sankt Julian und Offenbach, sowie das Westpfalzklinikum in Kusel zuständig. Alten- und Krankenpflege betreiben die  Sozialstation Kusel-Altenglan und ein privater Pflegedienst in St. Julian.


Wirtschaft und Verkehr


Wirtschaft

Im Steinalbtal lagen in der Gemarkung von Niederalben auch einige Mühlen, gehörten jedoch später zum Truppenübungsplatz und sind inzwischen verfallen. Die einzige noch in Betrieb befindliche Mühle steht bei Niederalben an der Steinalb, liegt aber am rechten Steinalbufer und somit jenseits der ehemaligen bayerisch-preußischen Grenze innerhalb der Gemarkung von Rathsweiler. Bis zum Zweiten Weltkrieg herrschte eine bäuerliche Struktur vor, und die Landwirtschaft bildete fast die einzige Erwerbsquelle. Jeder hatte nur einen kleinen Betrieb mit vorherrschendem Getreide- und Kartoffelanbau. Obstbau, vornehmlich Winterapfelsorten und wenige Weinberge lockerten den Anbau auf. Ein großes Waldgebiet in der Steinalb bildete den Gemeindewald. Wer einen Beruf außerhalb der Landwirtschaft anstrebte, musste in die Städte auswandern, nach dem Ersten Weltkrieg vor allem in das Ruhrgebiet. Das änderte sich 1938, als der Truppenübungsplatz Baumholder eingerichtet wurde. Die dort entstandenen Arbeitsplätze wurden auch von Landwirten eingenommen. Das Bauerndorf wurde zum Arbeiter- und Angestelltendorf. Bis 1950 konnten sich noch eine Schreinerei, drei Schuhmachereien, zwei Schneidereien, eine Schmiede und eine Wagnerei halten. Es gab neben einer Baustoffgroßhandlung noch drei Lebensmittelgeschäfte und eine Metzgerei. 1996 ist nur die Baustoffgroßhandlung übrig geblieben. Neu hinzugekommen sind ein Stuckateurbetrieb und eine Dachdeckerei. Alle anderen Bürger sind abhängig Beschäftigte. Der Ort ist weitgehend eine Wohngemeinde geworden. Die Berufstätigen pendeln aus in die Betriebe innerhalb des Kreises und  bis in die Vorderpfalz.


Verkehr

Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war Niederalben nur durch eine kleine Straße durch das Glantal und eine Landstraße nach Baumholder erschlossen. 1938 wurde aus militärischen Gründen die heutige B 420 als Verbindung zum Westwall ausgebaut. Ebenfalls aus strategischen Gründen wurde 1903/4 die Eisenbahn durch das Glantal gebaut. Der Bahnhof Niederalben-Rathsweiler entstand 1904 beim Ortsteil Neuwirtshaus. Dadurch wurde dieser Ortsteil, ursprünglich ein Jagdhaus der Rheingrafen, zu einem kleinen Verkehrsknotenpunkt, denn von hier aus wurden auch die Dörfer auf der Höher versorgt, und nach der Einrichtung des Truppenübungsplatzes kam es auch zu Truppenbewegungen. 


Der Durchgangsverkehr durch das Dorf Niederalben wurde in den 40er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts unerträglich, als der gesamte Truppenverkehr über eine enge Straße durch den Ort geführt wurde. 1952 ließ der Bund die Straße zu einer „Panzerstraße“ ausbauen. 


1974 entstand eine Ortsumgehungsstraße, während sich gleichzeitig durch den Bau der Autobahn A 62 der Truppenverkehr in Niederalben stark verringerte. Im Glantal berührt die B 420 (Oppenheim/Neunkirchen Saar) den Ort. Sie stellt auch eine Verbindung zwischen Niederalben und der Kreisstadt Kusel und zum unteren Naheraum (Bad Kreuznach) her. Die Bahnlinie wurde um 1985 stillgelegt.







NACHWEISE

Verfasser: Inge Schworm †

Redaktionelle Bearbeitung: Ernst Schworm

Literatur:

  • Karsch, Otto: Geschichte des Amtes Grumbach, Neuwied 1959.
  • Klein, Jakob: Notizen zur Geschichte von Niederalben, umfangreiches und unveröffentlichtes Manuskript.
  • Klein, Jakob: Das Neuwirtshaus in Niederalben, in: Westricher Heimatblätter Jg. 4, Kusel 1973, S. 144-146.
  • Molter, Hugo: Arbeitsgerät Klopfsteine von der Frühzeit bis heute, in: Westricher Heimatblätter Jg. 21, Kusel 1990, S. 170-175.
  • Plänckner, J. von:  Die deutschen Rheinlande oder Speziell-topographisch-statistische Beschreibung des Herzoglichen Sachsen Coburg-gothaische Fürstenthum Lichtenberg und geographische Übersicht der Königlich Preußischen, Königlich Bayerischen, Großherzoglich Oldenburgischen und Landgräflich Hessen-Homburgischen Rheinlande nebst einem Anhang von Briefen über dieselben, Gotha und Erfurt 1833. 
  • Schworm, Ernst: Das Steinalbtal, in: Westricher Heimatblätter Jg. 10, Kusel 1989, S. 91-97.
  • Schworm, Ernst: Die Steinalb, in: Westrichkalender Kusel 2009, S. 23-30.
  • Schworm, Hildegard: Wandel im Dorf Niederalben seit 1950, unveröffentlichte Facharbeit am Gymnasium Kusel 1976.